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Angepinnt Was kostet uns der Offshore Windstrom?

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    • Was kostet uns der Offshore Windstrom?

      Den Bürgern wird in Berichten immer wieder vorgegaukelt, dass grüner billiger Windstrom zur Versorgungssicherheit Bayerns vom Norden in den Süden transportiert werden muss und dafür der Bau von HGÜ-Stromtrassen notwendig ist. Den Trassengegnern wird vorgehalten, dass sie die Energiewende blockieren. Das Gegenteil ist der Fall. Wir sind für die Wende, aber genau dafür müssen die großen HGÜ-Trassen verhindert werden.

      Am 26.April 2014 hat die Bundesregierung die Rahmenbedinungen der Energiewende mit der neuen EEG-Novelle schwerwiegend verändert. Regenerative Energien wie Windräder an Land und Solarstrom wurden entgegen früherer Ausbauziele „gedeckelt“. Der „atmende“ Deckel verhindert den weiteren großtechnischen Ausbau dieser mitlerweile kostengünstigen regenerativen Energieformen. Stattdessen wurden die Weichen für neue große Offshore Windparks gestellt. Während die regenerative Stromerzeugung an Land jetzt schon für 7bis 10 Cent pro KWh (Kilowattstunde) zu haben wäre, setzt man jetzt auf Windparks für Großinvestoren, die mit bis zu 19,4 Cent pro KWh gefördert werden, staatlich garantiert, vom Stromkunden bezahlt. Natürlich zahlen da die stromintensiven Betriebe und fast das ganze produzierende Gewerbe nicht mit.

      Hierzu eine für alle nachvollziehbare Berechnung, die eine Vorstellung von der Größenordnung der Kosten geben soll:
      Die Geplante Kraftwerksleistung der Offshore-Windmühlen in Deutschland bis 2020 beträgt ca. 6,5 GW (Gigawatt), bis 2030 ca.15 GW. Diese Anlagen sind entweder schon alle im Genehmigungsverfahren oder bereits genehmigt.
      Bei anzunehmenden 4000 Stunden pro Jahr Volllast Betriebszeit (*1) ergibt dies bis 2020 ca. 26 TWh (Terawattstunden). D. h. eine Stromproduktion von 26.000.000.000 Kilowattstunden. Bis 2030 sind das dann 60 TWh aus Offshore Windkraft. Dies entspricht etwa 4 bis 10 Prozent des deutschen Strommixes.
      Die Offshore Windkraft wird mit 19,4 Cent pro KWh vergütet (8 Jahre lang oder 12 Jahre mit 15,4 Cent pro KWh) (*2). Der Strompreis betrug 2014 auf der Leipziger Strombörse ca. 3,3 Cent pro KWh. Die Förderung wird auch in den Jahren nach 2020 nur geringfügig reduziert. Der garantierte Förderzeitraum wird sich je nach technischen Schwierigkeiten (Entfernung von der Küstenlinie oder Wassertiefe) noch um einige Jahre verlängern. Bis 2030 ist mit einem durchschnittlichen Offshore Strompreis von ca. 17 Cent pro KWh zu rechnen. Bei Onshore und Solar werden es durchschnittlich 6 Cent bis 2030 sein. Das bedetet, das hier eine Differenz von durchschnittlich 11 Cent pro KWh aufläuft. In Euro ergeben sich daraus ca. 60 Mrd. € Zusatzkosten für den Stromkunden, aus einer Stromproduktion Wind-Offshore von ca. 540 TWh über die Jahre 2015 bis 2030.
      Für den durchschnittlichen Stromkunden (3500 KWh pro Jahr) bedeutet dies einen Aufschlag von 25,- € in 2020 und 70, -€ in 2030 auf die jährliche Stromrechnung - nur für Offshore statt Onshore Strom. Die Energiewende wäre auch mit Onshore zufrieden, die Großinvestoren allerdings können nur bei Offshore verdienen.
      Momentan zahlt der Kunde ca. 6,2 Cent pro KWh, also ca. 220.- € im Jahr für die EEG Umlage.
      Die Trassenbaukosten von 20 bis 40 Milliarden €, mit staatlich garantierter Eigenkapital-Rendite von 9,05 bzw. 7,14 Prozent, kommen über die Netzkosten bei der Offshore Variante auch noch dazu.
      Soviel zum billigen Offshore Windstrom.

      Gaskraftwerke (GUD) haben Stromgestehungskosten (zusammengesetzt aus Kapital-, Brennstoff- und CO2-Kosten) von 7,5 bis 9,8 Cent pro KWh. Das ist nur minimal höher als die Gestehungskosten bei Steinkohlekraftwerken (6,3 bis 8,0 Cent pro KWh) (*3).
      Eine minimale Förderung von 1 bis 2 Cent pro KWh für Gaskraftwerke würde diesen wieder eine Einspeisechance gewähren, was die Netzstabilität erheblich steigern, die CO2 Belastung erheblich senken und die Kosten für den Verbraucher damit erheblich reduzieren würde. Neue Mega Trassen wären nicht nötig. Dringend erforderlich ist es aber, den ungezügelten Offshore-Ausbau zu stoppen. Zudem müssten einige Kohlekraftwerke abgeschaltet werden. Die vielen städtischen GUD-Kraftwerke würden sich dadurch wieder rechnen. Die Kommunen, die dort investiert haben, würden endlich nicht weiter für ihr vorbildliches ökologisches Engagement bestraft werden.

      Wie widersinnig die Diskussion um den in den Medien so beliebten Satz ist, dass der „Windstrom vom Norden in den Süden“ müsse, sieht man auch daran, dass Anfang 2015 in Hamburg ein neues Steinkohlekraftwerk mit 1,7 GW Leistung in Betrieb ging (weit größer als ein Atomkraftwerk mit ca. 1,3 GW).
      Wieso das, wenn doch angeblich so viel billiger Windstrom da ist und viele Fachleute der Meinung sind, dass Grundlastkraftwerke reduziert werden müssen?

      Um keine Missverständnisse zu erzeugen: Wir sind auch für einen erst einmal kleinteiligen Ausbau der Offshore Windkraft, um auch hier weitere Innovationen zu ermöglichen (es wird an Anlagen bis zu 12 MW pro Windrad geforscht). Momentan fällt der Gestehungspreis für Wind und Solarstrom an Land immer noch deutlich schneller als bei Offshore Anlagen, das wäre die logische Hauptrichtung.

      In der jetzigen Situation ist aber ein solch großer Ausbau der Offshore Windkraft (geplante 15 GW bis 2030) dem Stromkunden gegenüber unverantwortlich. Der wesentliche Windkraft-Ausbau muss zur Zeit an Land erfolgen. Offshore-Windkraft zerstört die Akzeptanz der Energiewende, da sie zu teuer ist und unsinnige HGÜ Trassen benötigt.
      Ich bitte alle Journalisten, diese Berechnungen zu überprüfen, bevor sie weiterhin kritiklos über den angeblich billigen Windstrom aus dem Norden schreiben. Für das Gelingen der Energiewende brauchen wir keine überdimensionierten Masten durch ganz Deutschland. Eine nachhaltige Energiewende ist dezentral und nah am Verbraucher.

      Georg Stumpf Dipl. Ing (FH), BI Leinburg
      März 2015

      Quellenangaben:
      (*1) google.de/url?sa=t&rct=j&q=&es…SEw&bvm=bv.89217033,d.ZWU

      (*2) erneuerbare-energien.de/EE/Red…_blob=publicationFile&v=3

      (*3) google.de/url?sa=t&rct=j&q=&es…uVg&bvm=bv.89184060,d.d2s

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von D. Hamann ()