Energiedialog in München - 2. Treffen mit den Bürgerinitiativen am 17.01.2015

  • Am 17. Januar haben Vertreter der Bürgerinitiativen nochmals Gelegenheit, im Rahmen des bis zum 2. Februar laufenden Energiedialogs, zur geplanten Gleichstromtrasse Stellung zu nehmen. Nachstehend die Beiträge unserer beiden Vertreter, Georg Stumpf für die BI Pühlhof und Olaf Lüttich für die BI Leinburg.


    Redebeitrag der BI Pühlhof zum zweiten Treffen der Bi´s im Rahmen des Bayerischen Energiedialogs,
    Georg Stumpf Dipl-Ing-(FH) Energietechnik 17.1.2015

    Der Energiedialog soll das Gesamtkonzept in Bayern überprüfen bzw. neue Anregungen schaffen, ich spreche hier für eine Bürgerinitiative deren Mitglieder direkt von der Süd-Ost Trasse, jetzt Korridor D betroffen sind. Theoretisch besteht die Gefahr, dass sie direkt über unsere Gärten geführt wird.
    Wir sind „ Wutbürger“, (wäre ein guter Kandidat für das Unwort des Jahres 2015), und unsere Wut ist berechtigt, bisher können wir nicht erkennen, dass unsere Ängste im Energiedialog ausreichend gehört, geschweige denn beachtet würden.
    Wenn staatliche Stellen nur die Kapitalinteressen von Energiemonopolen und Versicherungen im Blick haben, dann erzeugt das Wut. Wir mussten leider immer wieder feststellen, dass unsere politischen Vertreter, die sich in ihren Parteien zu Energiefragen äußern dürfen, dass gerade diese Volksvertreter oft nicht bereit sind sich eingehender mit den Fakten zu beschäftigen und den scheinbar tausendfachen Mainstream nachplappern. Ich spreche hier besonders negativ die Vertreter der Grünen an, von denen wir mehr Sachverstand erwartet hatten. In den anderen Parteien sieht es leider meist nicht besser aus.
    Was ist der Mainstream? – Wir brauchen neue Stromleitungen um den Windstrom vom Norden in den Süden zu leiten, da sonst dort die Lichter ausgehen und die Energiewende nicht gelingen wird.
    Dieses Glaubensbekenntnis wurde leider hauptsächlich von einer staatlichen Organisation, (Bundesnetzagentur) immer wieder in allen Power Point Vorlagen gepredigt. Die Bundesnetzagentur hat zur besseren Veranschaulichung für uns dummen Bürger dann an jeden Trassenbeginn ein Windrad gezeichnet, egal ob die Trassen im Ostdeutschen Braunkohlerevier (Süd – Ost Trasse) oder von den Norddeutschen Steinkohlekraftwerken aus starteten. Das ist Volksverdummung und erzeugt Wutbürger, tragisch wird es aber dann, wenn fast alle politischen Parteien und besonders auch die Presse darauf herein fallen.
    Um es einmal laut zu sagen: Wir sind, wie die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung, für die Energiewende, aber noch so viel Power Point Präsentationen können uns nicht davon überzeugen, dass die Energiewende riesige neue Steinkohle - (Hamburg) und Braunkohlekraftwerke benötigt, wozu eine zentralistische neue Stromleitungs - Infrastruktur für die nächsten 100 Jahre gebaut werden muss.
    Die Energiewende ist ambitioniert, aber sie braucht neue Antworten, keine Megakohle Kraftwerke.
    Die Antwort ist dezentrale Stromerzeugung aus Sonne, Bio, Wind und Gas, virtuelle Kraftwerke, Eigenstromerzeugung in Blockheizkraftwerken für Industriebetriebe genauso wie für den Haushalt. Ausbau einer modernen Speichertechnologie mit Strom, Wasser und Gas. Neue Technologien, besonders in der Stromspeichertechnik, stehen in den Startlöchern, hier würde ein Schubser von der Politik ausreichen und viele Probleme wären gelöst.
    Das Potential dieser Energieformen ist noch bei weitem nicht ausgereizt.
    Wir sehen auch eine Fehlentwicklung darin jetzt übermäßig stark die Offshore Windparks zu fördern. Offshore Windstrom ist der teuerste regenerative Strom, das Geld wird später bei den wirklich wichtigen Maßnahmen fehlen.
    Diese neuen Lösungen wären dann auch im Interesse von Bayern und der bayerischen mittelständischen Wirtschaft. Der Stromhandel und die Stromdurchleitung, wie sie mit dem Korridor D geplant sind, nützt Bayern sehr wenig, zerstört aber viel wertvolle Natur.
    Wo steht geschrieben, das Bayern 100% seines Stromverbrauchs selber erzeugen muss. Wir haben bisher Strom exportiert, wenn alle Kernkraftwerke abgeschaltet werden, liegt es an uns dann mehr Strom regenerativ selber zu erzeugen, wobei es kein Schaden sein wird, einige Zeit verstärkt sauberen Wasserkraftstrom, aus Österreich zu verwenden, die Angebote sind da, die Stromleitungen sind vorhanden, die Lichter gehen nicht aus.
    Auch die 10 H Regel, sollte in diesem Zusammenhang noch einmal überdacht werden.


    Energiedialog – 2. Treffen mit den Bürgerinitiativen am 17. Januar
    Stichpunkte zum Redebeitrag Olaf Lüttich für die BI Leinburg

    Nicht mehr zeitgemäß
    Ländlicher Raum verliert durch den Korridor D an Attraktivität. Tourismus nicht mehr möglich. Fachkräfte ziehen nicht in solche Gebiete, Firmenansiedlungen gehen dann zwangsläufig zurück. Die Empfehlungen der Bundesstiftung Baukultur werden konterkariert (Programme zur Stadtentwicklung, Dorferneuerung etc.).
    Großer volkswirtschaftlicher Schaden durch Wertverlust von Immobilien:
    840 km Korridor D, links und rechts 3 km nicht mehr verkäuflich.
    Durchschnittswert 20,- € pro m² aus Wald-, Landwirtschafts- und Siedlungsflächen.
    1 km² = 1.000.000 m² mal 840 km Länge mal 6 km Breite mal 20,- € = 100,8 Mrd. € ohne Berücksichtigung von Gebäudewerten. Konsequenz: Altersarmut


    Betriebswirtschaftlich unsinnig
    Betriebswirtschaftliches Denken ist bei den Netzbetreibern nicht erkennbar.
    Trassenkosten ca. 3 Mrd. € ≈ 10 Mrd. m³ Gas ≈ 2,5 Jahre für 3 GuD Kraftwerke.
    (Rechenbasis: 300,- € / 1.000 m³; Bedarf 1,4 Mrd. m³ pro Kraftwerk und Jahr bei 8.000 Std.). Importvolumen fossile Energieträger 2013 > 100 Mrd. €.


    Gesundheitsgefährdung
    Stichwort Brockdorf – bestätigt durch Strahlenschutzkomision.
    Problem ist nicht die Strahlung, sondern die sich in Ionisationswolken bildenden Giftstoffe. Stärkere Entwicklung als bei Wechselstrom. Untersuchungen fehlen – keine Teststrecke – die 4 Korridore sind die Testtrassen.
    Leukämie, Lungenkrebs, Asthma, erhöhte Kindersterblichkeit = Versuchskaninchen.
    Nicht zu vergessen: Auswirkungen auf das Klima.


    Recht
    Laut Rechtsgutachten von Prof. Dr. Felix Ekardt fehlt es an einer tragfähigen Gemeinwohldienlichkeit.
    Trassen dienen nur dem Oligopol der Stromkonzerne:

    • Innereuropäischer Stromhandel
    • Einspeisung von klimaschädlichem Braunkohlestrom
    • Renditegarantie auf Eigenkapital

    Problemlose Enteignungen - Länderrecht ist ausgehebelt.


    Risiko
    Energiedialog ist kein Dialog und ist nicht ergebnisoffen. Instrument der Stromkonzerne mit Drohkulisse.
    Wirtschaft und Arbeitsplätze in Gefahr? Ganz im Gegenteil. Bis heute sind allein im Bereich der Erneuerbaren Energien über 300.000 Jobs in Deutschland entstanden - rund sechsmal so viele Arbeitsplätze wie in der Atom- und Kohleindustrie zusammen, deren Beschäftigungszahl weiter sinkt.
    Demos werden massiver – es geht Richtung Wackersdorf II.
    Klagewelle
    Risiko Wählerstimmen


    Was kann die bayerische Staatsregierung tun, um sich in Berlin durchzusetzen?