TenneT startet Medienkampagne: 100 Prozent Erdkabel-Trassen sind billiger als netzstabilisierende Maßnahmen?

  • Klingt sehr nach Erpressung, was TenneT in der Presse massiv in Umlauf gebracht hat: "Energie-Schock: Strompreis wird 2017 deutlich steigen". Bei Unternehmens-Sprecherin Ulrike Hörchens klingt es nur im ersten Moment seriös, wenn sie sagt: "Die Erhöhung zeigt ganz deutlich, was passiert, wenn der Netzausbau nicht vorankommt".


    Die Motive für die Medienoffensive sind leicht zu durchschauen: TenneT möchte damit von den zu erwartenden horrenden Kosten für das Mega-Pilotprojekt SuedOstLink ablenken. Denn die Planungen, wo die umstrittene Megatrasse verlaufen wird, stehen kurz vor der Veröffentlichung.


    Der verantwortliche Netzbetreiber begleitet dies mit einer hanebüchenen Panik-Medienkampagne und schiebt die Schuld für die kommende Erhöhung der Netzentgelte um knackige 80 Prozent der Energiewende und dem dafür angeblich fehlenden Netzausbau zu. Gleichzeitig versichert TenneT, man setze "nach jetzigem Stand" komplett auf Erdkabel. Laut Bundesnetzagentur rechnet man (nach bestätigtem NEP 2024) derzeit beim Netzausbau mit Summen von etwa 18 Milliarden Euro für den Netzausbau an Land und etwa 15 Milliarden Euro für den Offshore-Netzausbau. Darin enthalten sind allerdings noch keine Mehrkosten für eine mögliche Erdverkabelung an Land. Im Vergleich zu den Redispatch-Maßnahmen ein Klacks?


    Energie-Expertin Claudia Kemferts Stellungnahme dazu auf Klimaretter.info:
    "Bei einem konsequenten Kohleausstieg - und niedriger Rendite für die Netzbetreiber - brauche man gar nicht so viele neue Netze. Sie vermutet Hintergedanken beim Plädoyer der Netzbetreiber für einen besonders üppigen Netzausbau: Ein solcher würde sich für die mit "natürlichem Monopol" wirtschaftenden Unternehmen nämlich ordentlich lohnen."


    Stimmt, denn:
    Fast unbemerkt von der Öffentlichkeit fand die Konsultation der Bundesnetzagentur zu ihren Entwürfen für zukünftige Eigenkapitalzinssätze für die Elektrizitäts- und Gasnetzbetreiber statt. Die Bundesnetzagentur legt diese Zinssätze fest, die die Netzbetreiber für ihre Wirtschaftlichkeitsberechnung ansetzen dürfen. Die resultierenden Kosten tragen wir Stromkunden. Die Zinssätze sollen für Neuanlagen von 9,05 auf 6,91 und für Altanlagen von 7,14 auf 5,12 Prozent gesenkt werden. Im risikolosen Oligopol-Markt der Übertragungs-Netzbetreiber ist dies immer noch viel zu hoch. Zum Vergleich: Die zehnjährigen Bundesanleihen sind aktuell auf etwa minus (!) 0,1 Prozent gesunken. Also vergoldete Anlagemöglichkeiten für Finanzinvestoren der Übertragungs-Netzbetreiber. Darin sehen wir das eigentliche Interesse hinter der überdimensionierten Übertragungsnetzplanung.