Beiträge von D. Hamann

    Überdimensionierter Netzausbau ist wie Kohlestrom vom Mond


    Hunderte von Trassengegnern informieren sich zum Thema dezentrale Energiewende in Berching


    "Stellen Sie sich vor, jemand besitzt ein Kohlekraftwerk auf dem Mond. Dann ist der Netzbetreiber nach den jetzigen Regelungen dazu verpflichtet, dem Kraftwerksbetreiber eine Leitung zur Erde zu bauen, damit dieser seinen Strom an der Börse frei handeln und verkaufen kann." Mit diesem Satz verwandelte Referent Prof. Dr. Christian von Hirschhausen das Dilemma des Netzausbaus bei der Veranstaltung in der mit mehreren hundert Trassengegnern voll besetzten Berchinger Europahalle in ein aussagekräftiges Bild. Der Grund, warum die Gesellschaft und viele Bürgerinitiativen sich seit sechs Jahren mit diesem Thema herumschlagen müssen, liege in vielerlei Hinsicht schlicht an den verfehlten politischen Vorgaben. Um dies zu ändern, brauche es weiterhin einen langen Atem. Die Argumente, warum es richtig ist, sich weiterhin gegen den überdimensionierten Netzausbau zu stellen, wurden in den anspruchsvollen Vorträgen geliefert.


    Die Versorgungssicherheit Bayerns ist über das bestehende Netz gewährleistet. "Deutschland hat eines der sichersten und am besten ausgebauten Stromnetze", so die Feststellung Hirschhausens. In dieser Frage geht er mit Rainer Kleedörfer von der N-ERGIE konform. Es sei "Wahnsinn" und gerade auch aus wirtschaftlicher Sicht vollkommen unvernünftig, was beim Netzausbau von Seiten der Politik hier abgesegnet werde, so der Vertreter des nordbayerischen Energieversorgers. Wichtig sei nun, so intensiv und so schnell wie möglich in die Weiterentwicklung von Großspeichern einzusteigen, bevor Deutschland auch hier wieder das Rennen in zukunftsweisenden Technologie verpasst. Dazu ist müssen PV und Windkraft flächendeckend, also auch in Bayern, ausgebaut werden. Dieser Ausbau sei durchaus mit dem Naturschutz vereinbar, dazu gebe es konkrete Pläne des BUND Naturschutz, mit denen auch die Ziele der N-ERGIE im Einklang stünden, so Kleedörfer.

    Christian von Hirschhausen belegte mit seinem Team aus jungen und engagierten Forscherinnen und Forschern, dass gerade auch der europäische Szenariorahmen (TYNDP) deutlich erkennen lässt, dass mit einer Verstärkung des Stromhandels über neue Leitungen die Menge an Atom im Netz nur mäßig reduziert werden, in manchen Szenarien sogar steige. Diesen "Atomstrom-dienlichen" Plänen setze er gemeinsam mit NGOs und Wissenschaftlern Pläne für hundert Prozent Erneuerbare entgegen - ein sogenanntes PAC-Szenario -, mit denen die Klimaziele von Paris tatsächlich eingehalten werden können.


    Wichtig sei vor allem auch ein rascher Ausstieg aus dem Erdgas, das aufgrund der Methan-Emissionen als echter Klimakiller bezeichnet werden muss und keinesfalls eine Alternative zu Kohle sein könne. Hirschhausens Fazit: Die Energiewende ist alternativlos, und sie ist dezentral. Der jetzt geplante Netzausbau mit Juraleitung, Südostlink, Südlink, P44/P44mod, Ultranet, Ostbayernring und weiteren neuen Übertragungstrassen widerspreche der gesellschaftlichen Realität und den deutlich günstigeren technischen Optionen, die Erneuerbare, der notwendige Ausbau von Speichern und die Verstärkung des Verteilnetzes mit sich bringen.



    SPD beim Thema Netzausbau weder sozial noch demokratisch

    Aufschlussreiche Diskussion bei der Veranstaltung der SPD in Nürnberg am 17.01.2020 mit dem Thema "Stromnetze - Was brauchen wir für die Energiewende?". Deutlich wurde, dass sich die Haltung der SPD-Bundestagsfraktion in nichts unterscheidet von der des Bundeswirtschaftsministers, der Bundesnetzagentur oder der Übertragungsnetzbetreiber.


    „Hermann Scheer hatte nicht recht“, war die Antwort auf die Frage, warum in der SPD die für die Energiewende wegweisenden Ideen und Erkenntnisse des beeindruckenden Politikers aus den eigenen Reihen, der 2010 im Alter von nur 66 Jahren gestorben ist, kein Gehör finden. Die Energiewende brauche einen starken Ausbau des Übertragungsnetzes mit Südlink, Südostlink und weiteren Trassen, der Windstrom aus dem Norden müsse in den Süden transportiert werden. Die SPD stehe "uneingeschränkt" zu Altmaiers Netzausbau-Beschleunigungsmaßnahmen durch das NABEG (Netzausbaubeschleunigungsgesetz), so die eindeutigen Aussagen des Energiepolitischen Koordinators der SPD-Bundestagsfraktion, MdB Johann Saathoff. Mit dem NABEG werden die Mitspracherechte der Bürgerinnen und Bürger in Umweltangelegenheiten massiv beschnitten, lautete die Kritik aus den Reihen des Publikums. Die SPD-Bundestagsfraktion sieht das nicht so. Der Vorstoß des SPD-Fraktionsvize und Umweltexperten Matthias Miersch, den Anwohnern ihr Recht zum Widerspruch beschneiden, damit der Bau der großen Nord-Süd-Übertragungstrassen nicht behindert werden, war Saathoff nach eigener Aussage nicht bekannt.


    Ein starker und überzeugender Diskussionsbeitrag kam von Josef Hasler, Vorstandsvorsitzender der N-ERGIE. Zu Johann Saathoff gewandt: "Wenn ich mir anhöre, was Sie gesagt haben, weiß ich, warum ich hier bin." Bei der Energiewende findet „alles im Verteilnetz statt, Dezentralität ist die neue Zentralität“, so Hasler. Die ausufernden Kosten der geplanten Übertragungstrassen seien inakzeptabel, weshalb die N-ERGIE die Pläne der Bundesregierung in ihrer jetzigen Form ablehne. Der Netzausbau ist einer der wesentlichen Gründe dafür, dass die Strompreise immer weiter steigen, die Energiearmut wächst. Immer mehr Menschen wird einfach der Strom abgestellt, weil sie die Rechnung dafür nicht mehr bezahlen können.


    Für die regionalen SPD-Vertreter ist die offen ignorante Haltung der Bundestagsfraktion problematisch, gerade wenn sie sich, wie die Neunkirchener Bürgermeisterin Martina Baumann, vor Ort stark gegen den überdimensionierten Netzausbau engagieren. Die Basis der SPD kann jedenfalls keine Unterstützung aus Berlin erhoffen, wenn sie sich für die dezentrale Energiewende in Bayern einsetzt.

    Kommentar: Netzentwicklungsplan 2030 überarbeiten und an die Erfordernisse einer ambitionierten Energiewende anpassen

    16. Januar 2020


    Anlässlich des inzwischen durch die Bundesnetzagentur bestätigten NEP 2030 und des heute durch Lorenz Jarass vorgestellten Gutachtens dazu, erklärt der BUND-Vorsitzende Olaf Bandt:

    "Die Bundesnetzagentur plant die Stromtrassen in Deutschland auf völlig falschen Grundlagen. Statt auf mehr Stromautobahnen zu setzen muss der Netzausbau viel stärker als bisher auf die regionalen und vor allem dezentralen Stromerzeuger und Bedarfe ausgerichtet werden. Wir fordern daher die Bundesregierung auf, den Netzentwicklungsplan 2030 nicht im Kabinett zu beschließen. Der NEP muss überarbeitet und sich an deutlich reduzierten Energieverbräuchen orientieren.


    Erneuerbare Energien sind hochflexibel, lassen sich an die lokalen Gegebenheiten anpassen und brauchen keine Hochspannungsleitungen, die Natur und Landschaft durchschneiden. Auch wird die Energiewende nur dann zu bewältigen sein, wenn sie dezentral, durch Bürgerinnen und Bürger oder Stadtwerken umgesetzt wird. Weiterhin Großkonzernen nachzulaufen und die unnötig hohen Kosten eines Netzausbaus auf Privathaushalte und Gewerbe umzulegen – das darf nicht die Lösung sein."


    Werner Neumann, Sprecher des Arbeitskreises Energie beim BUND, betont zudem:

    "Die Zeiten, in denen Strom beliebig durch die Republik geschickt werden muss, sind lange vorbei. Strom aus Wind und Sonne ist längst zur verlässlichen Energiequelle geworden. Ein regionaler Ausgleich ist mit flexiblen Kraftwerken, Kraft-Wärme-Kopplung sowie Laststeuerung einfach möglich. Auch hierfür braucht es keine überdimensionierten Stromtrassen.


    Das heute vorgestellte Gutachten von Jarass macht das auch noch einmal deutlich. Die Bundesnetzagentur denkt in völlig veralteten Dimensionen und schätzt den zukünftigen Energiebedarf falsch ein."


    Mehr Informationen

    Das Märchen von der Stromtrasse an der Autobahn


    In einer Region am Südostlink hält sich weiterhin das hartnäckige Gerücht, es wäre eine Option, den Südostlink entlang der Autobahn zu verlegen. Ein paar Politiker im Norden von Abschnitt C nehmen damit eine Sonderstellung in der Diskussion um den Netzausbau ein. Als Beispiel wird immer wieder die Leitung ALEGrO von Deutschland nach Belgien herangezogen, mit der belegt werden soll, dass dies möglich sei. Die explodierenden Kosten des Netzausbaus, die jeden Stromkunden treffen, und die Schäden in der Natur werden bei dieser Diskussion vollkommen ignoriert.


    ALEGrO ist eine astreine Kohlestrom-Trasse und vor Ort gerade auch aus diesem Grund höchst umstritten (hier), dieses Merkmal hat die Leitung mit dem Südostlink gemeinsam. Die Erdkabel werden nur in kleinen Abschnitten "enger" entlang der Autobahn verlegt. Eine "Autobahntrasse" gibt es nicht. Die Transportkapazität von ALEGrO soll bei rund 1 Gigawatt liegen. Der Südostlink war von Beginn an auf 2 Gigawatt ausgelegt, es war aber schon seit mindestens Anfang 2017 immer die Rede davon, ihn mit Leerrohren auf 4 GW zu erhöhen. Die 4-GW-Variante war von Beginn an eine Option, und auch der Südlink ist mit 4 GW geplant. Das hatte nichts damit zu tun, ob die Wechselstromleitung P44/P44mod wegfällt oder nicht, wie jetzt plötzlich behauptet wird. Im Gegenteil: Die Wechselstrom-Leitung P44/P44mod wurde von Tennet bislang immer als n-1-Ausfallsicherheit bezeichnet - wenn der SOL ausfällt, ist die P44/P44mod der Ersatz.


    Politische Agenda: Zusammenhalt der Trassengegner schwächen


    Inzwischen wurde diese Argumentation einfach mal geändert, jetzt wird behauptet, die Erhöhung des Südostlink sei notwendig, wenn die P44/P44mod wegfalle. Damit wird gleichzeitig versucht, ein wenig Missgunst unter den Trassengegner zu schüren, deren bundesweiter Zusammenhalt der Anfang vom Ende des überdimensionierten Netzausbaus sein kann, nach dem Motto: "Ihr bekommt die breitere Trasse, weil die anderen es geschafft haben, gar keine zu bekommen."


    Eine Wechselstrom-Ersatztrasse wird zu einer Gleichstromtrasse im Korridor der Gleichstrom-Trasse, die sie ersetzen soll?! Erkennbar ist: Die Argumentation richtet sich nicht nach technischen Fakten, sondern nach einer politischen Agenda. Den Trassenbefürwortern steht das Wasser offensichtlich bis zum Hals. Wer sich anschauen will, mit welchem technischen Aufwand allein eine 1-GW-Erdkabeltrasse verbunden ist, siehe hier - im Randstreifen einer Autobahn verschwindet sie nicht.


    Presseberichte, die zeigen, wie aufwändig die Arbeiten für Alegro sind:


    Deutsch-belgische Stromtrasse - Der erste „Alegro“-Transformator erreicht Oberzier

    Ein 260-Tonnen-Riesentrafo auf der Reise

    Broschüre zum Bau von Alegro

    Der Geist von Wackersdorf

    Volles Haus bei der Vorstellung des Gutachtens zum Netzentwicklungsplan (NEP) 2030 von Professor Lorenz Jarass in Neustadt/Waldnaab am 22.01.2020


    "Es ist doch nicht die Frage, geht die Trasse bei mir vorbei oder nicht, sondern: Wie viel wollt Ihr denn zahlen an die Übertragungsnetzbetreiber und Profiteure? Der Netzausbau geht jeden von uns etwas an!" - mit dieser zentralen Feststellung brachte Rechtsanwalt Wolfgang Baumann das Thema der Veranstaltung in Neustadt/Waldnaab auf den Punkt. Mit seinem Gutachten zeigt Prof. Lorenz Jarass auf, dass eine dezentrale Stromerzeugung wegen der Nichtberücksichtigung der Netzausbaukosten systematisch benachteiligt wird, wodurch die Energiewende und der Klimaschutz behindert werden. Das Bundesbedarfsplangesetzt dürfe deshalb nicht verabschiedet werden, so die Forderung des Experten.


    "Verjagt sie!" war der Ratschlag von Rechtsanwalt Baumann an die Grundstücksbesitzer, die derzeit von Bohrungen durch Tennet betroffen sind. Das gelte allerdings nur für diejenigen, die sich im Landkreis Wunsiedel befinden. Am Montag hatten der Landkreis sowie der BUND Naturschutz und weitere Vereine Klage gegen den Südostlink erhoben. Damit können sich die Betroffenen darauf berufen, dass derzeit ein Verfahren laufe, ein Eingriff in ihre Rechte sei demnach inakzeptabel.


    Für viele weitere Betroffene entlang der geplanten Stromtrassen gilt dieser Schutz nicht - sie sollten sofort bei ihren Vertretern der Kommunen einfordern, dass diese sich schützend vor die Regionen stellen, indem sie dem Beispiel des Landkreises Wunsiedel folgen und Klage einreichen. Das sogenannte "Hamelner Bündnis", das zahlreiche Landkreise - außer Wunsiedel - vertritt, hat bislang jedoch signalisiert, dass es gegen die Pläne der Trassenbauer nicht juristisch vorgehen werde, was schlicht daran liegt, dass dieses Bündnis ein grundsätzlicher Befürworter des Netzausbaus ist.


    Die Politik forderte Rechtsanwalt Baumann auf, Nägel mit Köpfen zu machen und gegen den Südostlink zu klagen, anstatt nach sinnlosen Alternativen für einen Verlauf entlang der Autobahn zu suchen. Die Wunsiedel-Klage könne auch an anderen Trassen wie der Juraleitung oder dem Südlink als Paradigma verwendet werden.


    Rainer Kleedörfer von der N-ERGIE sorgte für einen Blick über den Tellerrand und stellte die fundamentale Bedeutung des Wärmemarktes für die Energiewende und die Erreichung der Klimaziele in den Vordergrund. "Sich anzumaßen, dass die Energiewende zentral sein muss, ist der falsche Weg", so seine Kritik an den politischen Entscheidern. Dies führe zu irrigen Annahmen und der Behauptung, man müsse erst das Stromnetz massiv ausbauen, um überhaupt Erneuerbare Energien zubauen zu können. Kleedörfer: "Das ist Blödsinn im System".


    Die Neustädter Stadthalle war komplett gefüllt, und auch vom Südlink, der Juraleitung und der P44mod waren Trassengegner angereist, um sich untereinander weiter zu vernetzen. Der Geist von Wackersdorf sei zu spüren, so das begeisterte Fazit von Rechtsanwalt Wolfgang Baumann. Und er muss es wissen, da er seinerzeit die Gegner der atomaren Wiederaufbereitungsanlage vertreten hat.








    PRESSEEINLADUNG


    Donnerstag, 16. Januar 2020 um 13.30 Uhr
    im Hotel Albrechtshof, Albrechtstraße 8, 10117 Berlin
    Bankettsaal “Jochen Klepper” – Für das leibliche Wohl ist gesorgt!


    Das aktuelle Gutachten von Prof. Dr. Lorenz Jarass wird erstmalig vorgestellt. Die Nichtberücksichtigung der Netzausbaukosten ist ein ausschlaggebender methodischer Fehler, der die gesamte Bedarfsanalyse des aktuellen Netzentwicklungsplans (NEP) in Frage stellt. Auftraggeber des Gutachtens ist der „Initiativkreis NEP 2030“, der von Bürgerinitiativen, der Nürnberger N‑ERGIE Aktiengesellschaft, dem BUND Naturschutz, den NaturFreunden Deutschlands, Vereinen, zahlreichen Kommunen und durch den Würzburger Rechtsanwalt Wolfgang Baumann getragen und unterstützt wird. Die Dachverbände der Bürgerinitiativen gegen Südlink, Südostlink, Ultranet und Juraleitung bilden für den Widerstand gegen den geplanten Netzausbau eine deutschlandweite Allianz und sind in Kooperation mit dem Initiativkreis Veranstalter der Pressekonferenz.


    Der Initiativkreis übt an der aktuellen Netzentwicklungsplanung scharfe Kritik. Der NEP als Grundlage für den Bundesbedarfsplan 2020 Stromnetz, der den Ausbau des Höchstspannungsnetzes für die kommenden Jahre festschreiben soll, ist inakzeptabel und darf nicht verabschiedet werden. Der Ausbau eines überdimensionierten Übertragungsnetzes ist unwirtschaftlich, unsozial, umweltzerstörend und für die Energiewende kontraproduktiv. Er dient nicht der Versorgungssicherheit, sondern überwiegend dem europaweiten Handel mit Atom- und Kohlestrom und gefährdet damit die Einhaltung der Klimaziele.


    Als Gesprächspartner anwesend sind:

    • Dr. Lorenz Jarass
    • Rainer Kleedörfer, Leiter Unternehmensentwicklung / Beteiligung N‑ERGIE Aktiengesellschaft
    • Rechtsanwalt Wolfgang Baumann
    • Michael Müller, Bundesvorsitzender NaturFreunde Deutschlands
    • Vertreter der Bürgerinitiativen vom Aktionsbündnis gegen die Juraleitung P53, Aktionsbündnis gegen die Süd-Ost-Trasse, Aktionsbündnis Ultranet und Bundesverband gegen SuedLink


    Die Veranstaltung ist öffentlich. An alle Medienvertreter ergeht herzliche Einladung. Vertreter der Verbände und Initiativen stehen nach der Vorstellung und Konferenz gerne für Interviews zur Verfügung. Um Zusage per E‑Mail an pressestelle@stromautobahn.de wird gebeten.


    Mit freundlichen Grüßen, auch im Namen der Vertreter des Initiativkreises,


    Dörte Hamann
    Sprecherin Aktionsbündnis gegen die Süd-Ost-Trasse – für eine dezentrale Energiewende

    pressestelle@stromautobahn.de

    www.stromautobahn.de

    „Jetzt red i 2.0“ in Bonn

    Präsident der Bundesnetzagentur lädt Landwirt Hubert Meiler nach Bonn ein

    Bei der BR-Sendung „Jetzt red i“ hatte der Landwirt Hubert Meiler sich gegen die großräumige Zerstörung landwirtschaftlicher Flächen durch den Bau erdverkabelter Megatrassen wie dem Südostlink ausgesprochen. Das hatte der Präsident der Bundesnetzagentur (BNetzA) Jochen Homann im Fernsehen gesehen und Hubert Meiler spontan zu einem „Infogespräch“ nach Bonn eingeladen. Beim Gespräch dabei waren die Aktionsbündnis-Sprecher Josef Langgärtner und Dörte Hamann, begleitet wurde die Fahrt von einer Journalistin des Bayerischen Rundfunks. Auf Seiten der Bundesnetzagentur wurde ein beeindruckendes Personal aufgefahren: Neben dem Präsidenten der Bundesbehörde waren Matthias Otte (Abteilungsleiter Netzausbau), Markus Doll (Leiter Referat Netzentwicklung), Janine Haller (die z.B. die Erörterungstermine zum Südostlink geleitet hat), ein Vertreter des Referates Umweltprüfung der BNetzA und Johannes Botschek als unabhängiger Bodenkundler anwesend.



    BNetzA nicht im Dienst der Großkonzerne?

    Anfangs scherzt BNetzA-Chef Homann noch, man müsse doch einfach mal zusammenkommen, auch wenn keine absoluten Übereinstimmungen zu erwarten seien, oder wie es auf gut Bayerisch heiße: „Guad, dass ma gred ham!“ - was auf bayerischer Seite Aufgrund der Aussprache erst nicht verstanden wird. Nicht lange nach Beginn des Gespräches setzt der Bundesnetzagentur-Chef genauere Leitplanken, innerhalb derer er sich den Dialog vorstellt: Die Trassengegner mögen doch bitte keine Worte verwenden wie „Todesstreifen“ für Erdkabel-Trassen, und er wünsche sich, die Behauptung, der Trassenbau diene nur den Interessen der wirtschaftlichen Nutznießer und die Bundesnetzagentur arbeite im Sinne der Energieriesen, während des Gesprächs doch bitte zu unterlassen. Die Position der Bundesnetzagentur sei einwandfrei: „Für uns zählen nur die Argumente, wir stehen nicht im Dienst der Großkonzerne!“ Hubert Meiler ist nicht zufrieden: „Dann sagen´s mir mal Argumente, warum der Südostlink jetzt im Osten entlang läuft und nicht mehr am ursprünglich geplanten Verlauf?!“ Eine treffende Frage, denn die Entscheidung von 2015, die HGÜ-Leitung zu verschieben, gilt unter Fachleuten als technisch ungünstigere Variante und somit als politisch motivierte Planung, so jedenfalls auch die Feststellung auf dem Energiegipfel.

    Mit dem gerechten Zorn von Landwirt Hubert Meiler hatten die Vertreter der BNetzA offensichtlich nicht gerechnet, eine gewisse Ratlosigkeit ob der Hartnäckigkeit ihres Gegenübers ist ihnen während des zweieinhalbstündigen Gespräches deutlich anzusehen. Eindringlich appelliert Hubert Meiler immer wieder an die Verantwortlichen: „Sie sind doch die Behörde, die sagen muss, was gut und was schlecht ist. Wenn die Fachbehörden es nicht machen, dass sie die Politik aufklärt, wer dann?“ Klar wird: Die Bedenken der Trassenkritiker gegenüber dem Mammutprojekt können nicht entkräftet werden, da gerade auch die dürftige Faktenlage zum Thema Bodenschutz als beunruhigend bezeichnet werden muss.


     


    Ein wichtiges Ergebnis des Gespräches war aber auch die endgültige Absage der Autobahnvariante.

    Für regelrechte Erheiterung bei den BNetzA-Vertretern sorgt die Nachfrage, wie es denn um die von der CSU gewünschte Autobahnvariante im Raum Weiden bestellt sei. Technisch nicht möglich und deshalb längst als Option beerdigt, so die deutliche Aussage. Warum die öffentliche Diskussion von einigen CSU-Politikern weiterhin angeheizt wird? Kopfschütteln der Behörden-Vertreter und Unverständnis. Die Fakten dazu seien klar. Der Raum sei zu eng für breite Baustellen, die für die Erdkabel-Trasse unumgänglich seien.


    Ein weiterer Schwerpunkt des Gespräches liegt auf dem Thema Bodenschutz, die Antworten dazu geben Anlass zur Sorge.

    Ist der gesetzlich festgelegte Vorrang für Erdkabel am Südostlink technisch sinnvoll oder können wir die als eine vorwiegend politische Entscheidung zur Bürgerberuhigung verstehen?
    Einschätzung von Seiten des Bodenkundlers Dr. Johannes Botschek: „Erdkabel sind nicht die beste technische Lösung, sondern da kann ganz viel falsch laufen, gerade während der Bauarbeiten.“ Wenn beispielsweise der Bau auf feuchten Böden durchgeführt wird, verursacht dies deutlich höhere Schäden, die Arbeiten müssten in diesem Fall eigentlich eingestellt werden. Gesichert werden sollen die fachgerechten Erdarbeiten durch bodenkundliche Baubegleiter.

    Wenig hilfreich die Antwort Präsident der Bundesnetzagentur (BNetzA) Jochen Homann zur Fragwürdigkeit aufwändiger und teurer Erdkabel: „Sie hätten ja Freileitungen fordern können!“ Und dann? Gerade bei Freileitungen von Gleichstrom-Trassen gibt auch nach Aussagen des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS) unerforschte gesundheitliche Risiken, ein Gesundheitsrisiko durch Luftschadstoffe, das aufgrund der Aufladung von Partikeln an Hochspannungsleitungen entsteht, kann bislang nicht ausgeschlossen werden.


    Der Boden ist ein Lebewesen
    Die Böden werden zuerst vom Vorhabenträger, also Tennet, untersucht. Dann untersucht ein Gutachter die bodenkundlichen Gegebenheiten. Dieses Verfahren wird nicht von einem weiteren unabhängigen Gutachter überprüft.

    Die Vertreter der Bundesnetzagentur versuchen zu beruhigen. Bei Ernteausfällen gebe ja schließlich ein Anrecht auf Entschädigung. Wer die Beweislast tragen muss, ist jedoch klar: die Geschädigten. Ob es realistisch ist, in Zeiten von Dürre aufgrund des Klimawandels zu belegen, dass der Schaden vorrangig aufgrund des Erdkabels ausgelöst wurde, bleibt offen.


    Hubert Meiler will diese Schäden nicht widerstandslos in Kauf nehmen. „Für mich ist der Boden ein Lebewesen, für das ich als Landwirt Verantwortung trage!“

    Wurden ausreichend verschiedene Bodenarten untersucht?
    Nach Aussage des Bodenkundlers ist dies nicht der Fall, er hätte sich gewünscht, dass mehr unterschiedliche Bodenarten Gegenstand der Untersuchungen seien.


    Gibt es unabhängige Studien zu den Auswirkungen von Erdkabeln auf den Boden, die nicht im Auftrag eines Übertragungsnetzbetreibers durchgeführt wurden?
    Es werden keine Studien genannt. Neben der bekannten
    Trüby-Studie von 2014, die für Amprion erstellt wurde, werde demnächst eine Studie im Auftrag des Netzbetreibers TransnetBW veröffentlicht.

    Wie hoch die Temperaturen aufgrund der Erdkabel für den Erdboden sind? Ein Grad an der Erdoberfläche, sagen die BNetzA-Vertreter. Die Trüby-Studie verlässt sich jedoch bezüglich der Kabeltemperaturen ungeprüft im Wesentlichen auf die Angaben von Amprion, eine Verantwortung zur Richtigkeit der für die prognostizierten Temperaturen wird darin nicht übernommen (Trüby S. 4). Die Ergebnis-Präsentation der Trüby-Studie spricht von einem maximalen Temperaturanstieg an der Oberfläche von fünf Grad Celsius (S. 32).




    Auf die Frage, wie hoch den die magnetische Feldstärke über der Trasse sein werde, können oder wollen die Fachexperten nicht antworten. Dabei wäre es eine einfache Rechnung: Für jedes für den Südostlink in Frage kommende System- entweder 320 kV oder 525 kV - kann man die Feldstärke näherungsweise bestimmen. Das wären genau zwei physikalische Rechenschritte.


    Ein grundlegendes Problem bei der Bewertung der zu erwartenden Bodenerwärmung, der Grabentiefe etc. sei, dass weiterhin offen ist, welche Erdkabel überhaupt verwendet werden. „Hier bitten wir Sie einfach noch um Geduld! Es steht doch noch gar nicht fest, mit welcher Technik wir hier vorgehen!“, so Matthias Otte, Abteilungsleiter Netzausbau. Dass man auch keine genauen Kosten für den geplanten Netzausbau nennen kann, ist dann schon folgerichtig. Trotzdem steht in der Argumentation der BNetzA wie auch der Übertragungsnetzbetreiber außer Zweifel, dass die geplanten Netzausbau-Projekte alternativlos für eine angeblich kostengünstige und sichere Energieversorgung im Rahmen der Energiewende seien. Auf die Kritik zur mangelnden Transparenz der Kosten und zu fehlenden Kosten-Nutzen-Abwägungen wird seitens der BNetzA empfindlich reagiert.


    Einen wichtigen Ratschlag gibt der Bodenkundler dem bayerischen Landwirt Hubert Meiler mit auf den Weg: „Lassen Sie vor dem Bau ein Monitoring Bodenleben für Ihre Grundstücke erstellen.“ Damit könne man die möglichen Schäden durch den Bau der Erdkabel-Trasse eindeutiger definieren. Die Rechnung trägt der Landwirt.
    dh+jl/09.11.2019

    Bye bye Bürgerdialog!


    Realsatire statt Risikokommunikation bei Infoveranstaltung des Bürgerdialog Stromnetz zum Thema „Elektromagnetische Felder und Stromnetze“


    Wie bringt man renitenten Trassengegnern bei, dass vom Stromnetzausbau keine gesundheitlichen Gefahren ausgehen? Ein Bundesamt muss die Bürgerinnen und Bürger schützen. Eine aktuelle Veranstaltung in Weiden am 22. Oktober 2019 zeigt jedoch: Es werden keine differenzierten Aussagen zu Gleichstromtrassen getroffen, keine Messwerte der magnetischen Felder geliefert, und man arbeitet mit uralten Diagrammen von Wechselstrom-Erdkabeln aus dem Jahr 2010: So geht keine Aufklärung zu dem wichtigen Thema Gesundheit. Stattdessen wird hartnäckig versucht, den massiven Netzausbau als alternativlosen Teil der Energiewende zu verkaufen – Greenwashing im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums.


    Das Thema „Risikokommunikation“ stellt beim Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) einen Forschungsschwerpunkt dar. Dazu werden Fachgespräche geführt, es wird um geeignete Methoden und Formulierungen gerungen, wie man die Sorgen und Ängste der Bevölkerung ernst nehmen und die Betroffenen „mitnehmen“ könne beim für die Energiewende angeblich notwendigen Netzausbau. In enger Zusammenarbeit mit dem Bürgerdialog Stromnetz (BDS) wird der Ausbau des Stromnetzes auf Schautafeln und in Infobroschüren als grundlegendes Element der Energiewende dargestellt.




    Glaubwürdigkeitslücke

    Für die möglichen Gefahren durch Gleichstromtrassen stellte die Strahlenschutzkommission (SSK) schon 2013 fest: „Die Angabe von belastbaren Schwellenwerten für Wahrnehmungs‑, Belästigungs‑, Schmerz- und Gefährdungseffekte ist im Hinblick auf die begrenzte Datenlage, insbesondere hinsichtlich der Anzahl der untersuchten Personen und der Einflüsse von Kofaktoren wie z.B. Ionendichte, derzeit nicht möglich. Die SSK empfiehlt daher die Durchführung weiterer Forschungsprojekte zur Wahrnehmung vor allem in Form von Humanstudien unter gut kontrollierten Bedingungen.“ (hier)

    Das BfS ist jedoch seit dem Startschuss 2017 für das Forschungsprogramm zum Stromnetzausbau erkennbar nicht vorangekommen. Die Folien der Referenten bringen keine Ergebnisse aktueller Studien, sondern haben denselben Infogehalt wie die Website des Bundesamtes. Auf Nachfrage wird bestätigt, dass die Studien nicht vor 2030 fertig sein werden und die Ergebnisse kaum Auswirkungen auf die aktuellen Netzausbau-Planungen haben werden.

    Deshalb kommt es, wie es kommen muss: Der Bürgerdialog Stromnetz landet nicht zum ersten Mal im „Infoveranstaltungs-Crash“. Die Situation ist ausweglos: Wie präsentiert man Trassen-Pläne als gesundheitlich unbedenklich, die aus ganz anderen Gründen als dem Thema Gesundheitsschutz (die Energiewende ist dezentral, der Netzausbau wird als unnötig betrachtet) abgelehnt werden und für die es nur unzureichende Forschungsergebnisse gibt? Die Einschätzung des ehemaligen BfS-Chefs Wolfram König von 2016 trifft immer noch den Kern des Problems: “Das sind auch die Ergebnisse aus unseren Veranstaltungen, da stoßen wir schnell an Grenzen, wir versuchen deutlich zu machen, wo wir unseren Erkenntnisstand haben. Die Risiken sind sehr relative Risiken, aber wir können solche Ergebnisse nicht verschweigen. Sie werden dann von anderen problematisiert, und dann sind wir in einer Glaubwürdigkeits-Lücke, die uns eventuell ganz andere Schwierigkeiten bereitet.” (siehe Stromautobahn.de: „Bankrotterklärung für den Gesundheitsschutz beim Netzausbau“)



    Magnetfelder über dem Grenzwert?

    Ein auf einer Schautafel angepinntes Diagramm eines Erdkabel-Magnetfeldes fällt bei der Veranstaltung dadurch auf, dass es nicht gerade brandaktuell, sondern vom November 2010 ist. Auch auf Nachfrage wird die zugrunde liegende Stromstärke nicht genannt. Eine nachträgliche Überprüfung ergibt 1380 Ampere. Hochgerechnet auf das für den Südostlink geplante 520kV-System wären das bei 3846 Ampere für ein 2 GW-Kabel 446 Mikrotesla (µT) in der Höhe von 20 Zentimetern über dem Erdboden. In Erdbodenhöhe wären das 505 Mikrotesla und damit über dem in der 26. Bundesimmissionsschutzverordnung (BImSchV) festgelegten Grenzwert von 500 Mikrotesla.


    Bauchlandung bei der Mediation

    Dass die Wahrnehmung der Betroffenen nicht den wissenschaftlichen Standards der Referenten genügt, wird während der Diskussion offensichtlich – das muss sie jedoch auch nicht, denn das ist nicht die Pflicht der Betroffenen. Mit den Sorgen der Menschen korrekt umzugehen ist jedoch genau die Aufgabe der eigens dafür angestellten Mediatoren, Referenten und Moderatoren. Diese stoßen jedoch bei der Veranstaltung in Weiden erkennbar an ihre Grenzen und zeigen sich wenig professionell.

    Ein BI-Mitglied kritisiert zu Recht die sehr verschwommenen Formulierungen zu den möglichen Gesundheitsrisiken, die klar aufzeigen, dass es Wissenslücken gibt: „Ihre Aussagen sind aber alles andere als überzeugend und beruhigend!“ - Antwort Mediator vom BDS: „Ja, wenn Sie trotzdem Angst haben, dann ist das halt so!“

    Der Fachmann für elektromagnetische Felder reagiert empfindlich auf die Einwände der Zuhörerschaft: „Ich schlage mir hier meine Freizeit um die Ohren, nur um mir Ihre Statements anhören zu müssen! Sie sind auf der falschen Veranstaltung, denn sie argumentieren politisch! Ich bin nicht für die Leute da, die mit gelben Warnwesten protestieren, sondern um die Bürger zu informieren, die Fragen haben!“ Eine auch nur annähernd bemerkenswerte Anzahl von Bürgern, die keiner Bürgerinitiative angehörten, gab es in Weiden jedoch nicht. Neben Trassengegnern sind die übrigen Zuhörer erkennbar der Kommunalpolitik und –verwaltung zuzurechnen, auch eine Tennet-Vertreterin sitzt in der letzten Reihe und hört zu. Aber diese Teilnehmer stellen keine Fragen und gehören nicht zum Kreis der Betroffenen.




    „Fachwissen“ für Landwirte

    Auch „Naturschutz und Technik“ sollen laut Programmankündigung einen Schwerpunkt der Veranstaltung bilden. Symptomatisch für das Niveau der Antworten ist dieser Schlagabtausch:

    Frage von Landwirt Hubert Meiler: „Was passiert mit den Kleinstlebewesen im Boden? Die gesamte Natur reagiert auf Magnetfelder! Dazu habe ich überhaupt keine Studien gefunden.“ Antwort der Referentin des Bundesamtes für Strahlenschutz: Doch, es gebe durchaus Studien, die beziehen sich hauptsächlich auf HGÜ-Seekabel. Wie die Lebewesen im Meer darauf reagieren? In den Augen der Fachleute vom Bürgerdialog Stromnetz muss man das entspannt sehen: „Nun ja, die Fische scheinen da schon drauf zu reagieren. Die sind dann ein wenig verwirrt in der Nähe von einer großen Leitung, die schwimmen dann weg.“ Antwort Hubert Meiler: „Ja, die Kleinstlebewesen in der Erde können aber nicht wegschwimmen!“


    Laut Info eines BDS-Mitarbeiters ist Ende des Jahres Schluss mit dem „Bürgerdialog Stromnetz“. Das wäre kein Verlust. Eine Greenwashing-Einrichtung auf Kosten der Steuerzahler weniger.


    dh/27.10.2019

    Kampf dem #WindstromMärchen


    Der Grund für den Netzausbau: Stromhandel.

    Nicht Windstrom vom Norden in den Süden, sondern Atomstrom und Kohlestrom von West und Ost quer durch Europa.


    Südostlink und Südlink werden 2025 nicht fertig sein. Die EU droht ab diesem Zeitpunkt mit einer Unterteilung Deutschlands in zwei Strompreiszonen: Norden billiger, Süden teurer.


    Witzig ist, dass der Vorstand von TransnetBW nicht kapiert hat, warum ungern "medial thematisiert" wird, dass es beim Netzausbau ganz vorrangig um Handel geht.

    Zitat DR. WERNER GÖTZ,Vorsitzender der Geschäftsführung, TransnetBW GmbH: "Hinzu kommt – und das wird medial bisher kaum thematisiert –, dass auch die europäische Union Transferkapazitäten fordert."

    Die Unternehmenskommunikationen der ÜNB freuen sich sicher sehr, dass der Herr Götz das bislang so erfolgreiche Greenwashing von HGÜ-Trassen als Windstromleitungen torpediert.


    Fakt ist: Es geht um die Integration der west- und osteuropäischen Strommärkte. Die Nachbarstaaten beschweren sich bei der EU-Kommission immer wieder, dass es in Deutschland zu wenige Leitungskapazitäten gibt, um europäische Stromhandelsgeschäfte zu betreiben. Was gibt es auf diesen Strommärkten zu holen? in jedem Fall viel Atomstrom und Kohlestrom. Ein EE-Überschuss ist in den Nachbarländern nicht zu verzeichnen, dort werden mit Hilfe von Rosatom gerade neue Kraftwerksblöcke geplant. In Norddeutschland auch nicht. Wie TransnetBW mit Netzausbau den Klimawandel aufhalten möchte, bleibt deshalb ein Rätsel.


    Übertragungsnetzbetreiber 50Hertz (nördlicher Abschnitt Südostlink) hat kürzlich ein Papier zum Thema „Höherauslastung und Optimierung des Stromnetzes“ veröffentlicht. Damit soll dargestellt werden, welche Technologien "zusätzlich zum Netzausbau" mehr Transportkapazität bringen können, wie z.B. der Einsatz von Hochtemperaturseilen oder Witterungsabhängiger Freileitungsbetrieb (WAFB, früher bekannt als Freileiterseilmonitoring). Angeblich gelten "zwei Prämissen: Die Sicherheit des elektrischen Systems zu jeder Zeit und der eigene Anspruch volkswirtschaftlicher Effizienz" - was in Anbetracht der Tatsache, wie mit der Kostenfrage des Netzausbaus umgegangen wird, unglaubwürdig ist.


    Der besondere Spaß liegt aber in einer Fußnote, mit dem wieder einmal mehr belegt wird, worum es tatsächlich geht - um den internationalen, profitorientierten Stromhandel, von dem die Konzerne profitieren und für den die Stromkunden zur Kasse gebeten werden:

    "Das „Clean energy for all Europeans package“ sieht unter anderem vor, dass unter bestimmten Bedingungen spätestens ab dem Jahr 2025 mindestens 70 Prozent der Nettoübertragungsfähigkeit grenzüberschreitender Stromleitungen (Interkonnektoren) für grenzüberschreitenden Stromhandel vorgehalten werden muss." (Quelle hier siehe Fußnote 1 Seite 2)

    Sowohl Südostlink als auch Südlink sind sogenannte PCI, Projects of Common Interest, also europäische Projekte von "gemeinsamem Interesse".


    Warum kein Windstrom für den Süden übrig ist:
    Nördl RLP-HE-TH-SN wird rd 300 TWh/a Strom verbraucht, 2030 werden es rd. 350 TWh/a sein. Aktuell werden dort rd 90 TWh/a Windstrom gewonnen. Bei Einhaltung der jeweiligen Ausbauziele der Länder & Offshore werden es dort max. 240 TWh/a Windstrom sein. #MärchenWindstromVomNorden

    Aktionsbündnis gegen die Süd-Ost-Trasse

    Für eine dezentrale Energiewende ohne überdimensionierten Netzausbau!



    Pressemitteilung vom 30.09.2019


    Fazit Energiegipfel: Effektiver Klimaschutz ist nicht in Sicht


    Der Stromnetz-Ausbau ist ein Thema, das weiterhin in der Öffentlichkeit eine große Aufmerksamkeit erfährt. Auch beim bayerischen Energiegipfel stand die Problemstellung zu Recht im Mittelpunkt, denn der Netzausbau ist und bleibt die „Gretchenfrage“ der Energiewende. Das Aktionsbündnis gegen die Süd-Ost-Trasse (ABSOT) stellt fest: Mit einem massiven Netzausbau und unkontrollierbarem europäischen Stromhandel ist effektiver Klimaschutz unmöglich.

    Stromhandel schadet dem Klimaschutz

    Es geht beim Für und Wider des Ausbaus der großen Nord-Süd-Trassen nicht um die Versorgung Bayerns mit Strom. Dafür gibt es technisch und wirtschaftlich günstigere Alternativen, die vor allem schneller umgesetzt werden können. Dass die großen Übertragungstrassen vor 2030 in Betrieb gehen, muss bezweifelt werden. Ob die Energiewende vor Ort in Bayern vorankommt, hat offensichtlich keinerlei Einfluss auf die Entscheidungen beim Netzausbau. Ausschlaggebend ist: Als europäische Projekte sind die HGÜ-Trassen für den grenzüberschreitenden, profitorientierten Stromhandel konzipiert. Auf die hohen Renditen für den Neubau von Stromtrassen wollen die profitierenden Konzerne nicht verzichten. Der bayerische Energiegipfel hat gezeigt, dass in diesem Gremium nicht die notwendigen Weichenstellungen für eine verstärkt dezentrale Energiewende anstelle eines überdimensionierten europäischen Netzausbaus gesetzt werden können.


    „Es ist absurd, wie noch immer von Seiten der Planer versucht wird, die Menschen an den geplanten Trassen mithilfe teurer Akzeptanzmaßnahmen wie einer teilweisen Erdverkabelung dazu zu überreden, dass für sie der Gesundheitsschutz verringert und die Natur nachhaltig beschädigt wird. Ein effektiver Klimaschutz ist mit der geplanten Verstärkung des europäischen Handels von atomar-fossilem Strom unmöglich. Wir werden deshalb den Widerstand gegen die Netzausbaumaßnahmen in Bayern weiter verstärkten“, bekräftigt ABSOT-Sprecherin Dörte Hamann.


    Mit Sorge muss das Aktionsbündnis feststellen, dass frühzeitige Klagerechte und eine rechtlich bindende Öffentlichkeitsbeteiligung beim Netzausbau derzeit nicht bestehen. Dies verletzt Umwelt-Völkerrecht und Umwelt-EU-Recht. Offensichtlich wird von der CDU sogar geplant, die aktuell unzureichenden Mitspracherechte weiter einzuschränken. Für die Akzeptanz ist dies Gift.

    Dem Aktionsbündnis gegen die Süd-Ost-Trasse (ABSOT) ist es gelungen, den Protest seit Beginn des Energiegipfels im Dezember 2018 zu verstärken. Es besteht eine enge Vernetzung der Bürgerinitiativen an den HGÜ-Trassen Südostlink und Südlink. Dass die Stromtrasse P44/P44mod von Seiten der Bayerischen Staatsregierung grundsätzlich abgelehnt wird, sehen wir als positiven Ansatz. Der organisierte Widerstand gegen diese Wechselstromleitung wird jedoch unvermindert aufrechterhalten, da weder Tennet noch die Bundesnetzagentur auf das Projekt verzichten wollen.

    Besonders bemerkenswert ist der massive Zuwachs und sichtbare Widerstand von Bürgerinitiativen entlang der Juraleitung/P53. „Dies ist eine Mahnung an die Verantwortlichen, dass beim Thema Netzausbau längst nicht das letzte Wort gesprochen worden ist“, warnt Hamann.


    „Taskforce Energiewende“ statt „Taskforce Netzausbau“

    Hubert Galozy zieht als Teilnehmer der Arbeitsgruppe 4 beim Energiegipfel ein ernüchterndes Fazit: „Die Teilnahme an den Arbeitsgruppen im Rahmen des bayerischen Energiegipfels hat leider offengelegt, dass mit der Umsetzung der Energiewende in Bayern weitestgehend wieder bei null angefangen wurde. Dazu hat die Ablehnung des Referenten, der das Aktionsbündnis gegen die Süd-Ost-Trasse vertreten sollte, gezeigt, dass fachliche Informationen hinter offensichtlich parteiideologischen Bewertungen zurückstehen mussten.“

    Ein ergebnisoffenes Vorgehen konnte in der „Arbeitsgruppe 4 - Stromnetzarchitektur, Versorgungssicherheit, Digitalisierung“ nicht erwartet werden, da sie von Dr. Martin Elsberger geleitet wurde: Elsberger steht gleichzeitig an der Spitze der sogenannten „Taskforce Netzausbau Bayern“, die die Pilotprojekte Südostlink und Südlink als „unverzichtbar“ bezeichnet. Damit lag der Fokus von Beginn an einseitig auf dem massiven Ausbau des Übertragungsnetzes. Galozy fordert: „Die ‚Taskforce Netzausbau‘ muss abgelöst werden durch eine ‚Taskforce Energiewende‘. Bayern muss sich aktiver an der Energiewende beteiligen. Dazu gehört die Abschaffung der 10H-Abstandsregelung für Windkraftanlagen.“

    Der Energiegipfel konnte nicht belegen, dass es selbst bei einer Verdoppelung der Windenergie im Norden bis 2030 Windstromüberschuss geben wird, mit dem der Strombedarf in Norddeutschland und in Bayern gedeckt werden könnte. Der notwendige Kohleausstieg macht deshalb eine Ausbauoffensive für die Erneuerbaren und für Speicher in Bayern alternativlos. Dass Ministerpräsident Markus Söder nach der Verabschiedung des unzureichenden Klimapaketes der Bundesregierung die Aufrechterhaltung der rückständigen 10H-Regelung positiv bewertet hat, ist eine klare Positionierung gegen die Energiewende. Die Verhinderung des Windkraftausbaus ist keine bayerische Errungenschaft, die man feiern sollte.


    Eine beeindruckende Masse an Menschen ist bereit, ihren persönlichen Teil für den Klimaschutz zu leisten. Jetzt wäre es an der Politik, den nachfolgenden Generationen nicht „die Zukunft zu klauen“ und auf Erneuerbare und deren Speicherung zu setzen. Mit großer Sorge sehen wir aber, dass laut Klimapaket der Bundesregierung eine verstärkte Nutzung von klimaschädlichem Erdgas geplant ist. Ein effektiver Klimaschutz ist deshalb weder auf Länder- noch auf Bundesebene in Sicht.

    Bei Rückfragen:

    Dörte Hamann

    Sprecherin Aktionsbündnis gegen die Süd-Ost-Trasse (ABSOT)
    Für eine dezentrale Energiewende ohne überdimensionierten Netzausbau!

    E-Mail: pressestelle@stromautobahn.de



    Pressemitteilung vom 11.09.2019

    „Jetzt red i“: Meinung statt Wissen zur besten Sendezeit?


    Sehr geehrte Damen und Herren,


    das Aktionsbündnis gegen die Süd-Ost-Trasse wird vor der Sendung „Jetzt red i“ am 11.09.2019 in Neustadt/WN ein notwendiges Zeichen Protestes gegen unnötige und für die Energiewende kontraproduktive Stromtrassen setzen. Wir sagen: Energiewende hier! Energiewende jetzt! Der Klimawandel wartet nicht!


    Wann: Ab 18.45 Uhr

    Wo: am Parkplatz vor der Stadthalle in Neustadt, Am Hofgarten 1, 92660 Neustadt an der Waldnaab


    Dass es sinnvoll ist, in einer Talkshow darüber zu diskutieren, ob die Versorgungssicherheit im Bereich der leitungsgebundenen Versorgung mit Elektrizität in Bayern nach dem Atomausstieg gewährleistet ist, bezweifeln wir. Wir sehen, dass es in der derzeitigen öffentlichen Diskussion eklatante Wissenslücken gibt, die aber nicht mit Fakten geschlossen, sondern die weiterhin beharrlich aufrechterhalten werden und die die öffentliche Meinung nachhaltig beeinflussen. Es kann nicht die Aufgabe einer Fernsehsendung sein, dazu beizutragen.


    „Jetzt red i" fragt: "2022 wird das letzte AKW abgeschaltet, der Kohleausstieg 2038 ist beschlossen. Woher soll der Strom also kommen? Derzeit liegt der Anteil erneuerbarer Energien an der bayerischen Stromerzeugung gerade mal bei 44 %. Also doch die Stromtrasse?“ Sicher ist: Wenn 2022 die in Bayern die wenigen letzten verbliebenen Atomkraftwerke abgeschaltet werden, wird es noch mindestens acht Jahre dauern, bis auch nur ein Ampere Strom über den Südostlink fließt. Diese Trasse ist sicher nicht vor 2030 in Betrieb. Die Frage, ob man mit ihr den Atomausstieg 2022 kompensieren kann, stellt sich nicht.

     

    Bayern ist bereits jetzt an das europäische Stromnetz angeschlossen


    Man muss bedenken, dass Bayern bereits in einem europäischen Stromverbund eingebunden ist. Bayern ist keine Strominsel und Bayern ist nicht autark.


    Der Monitoring-Bericht des BMWi zur Versorgungssicherheit im Bereich der leitungsgebundenen Versorgung mit Elektrizität „kommt durch den Vergleich des gewünschten Versorgungssicherheitsniveaus mit den Modellberechnungen unter den beschriebenen Prämissen zu dem Ergebnis, dass die Stromverbraucher in Deutschland mit Blick auf Angebot und Nachfrage bis 2030 jederzeit sicher versorgt werden können (trotz des geplanten Ausstiegspfads aus Kernkraftnutzung und Kohleverstromung).“

    Auch beim bayerischen Energiegipfel wurde durch den Speicher-Experten Professor Michael Sterner festgestellt: “Bayern hat genügend Potential an erneuerbaren Energien, um sich selbst zu versorgen. Wind- und Solarstrom sind die kostengünstigsten Energiequellen in Bayern mit dem größten technischen Potenzial und geringstem Flächenverbrauch.”


    Es gibt keinen Windstromüberschuss im Norden


    Tatsache ist auch, dass auch mit einer Verdoppelung des Windenergieausbaus in Norddeutschland bis 2030 nicht einmal der Strombedarf in Norddeutschland gedeckt ist, wie man im Netzentwicklungsplan nachlesen kann. Bayern kann sich deshalb nicht aus der Verantwortung für einen schnellen und effektiven Ausbau der Erneuerbaren Energien herausnehmen. Der dezentrale Ausbau ist alternativlos.


    Das Aktionsbündnis sieht bei „Jetzt red i“ eine gute Gelegenheit, um in der Diskussion aufzuzeigen, dass eine unnötige Trasse, die der Energiewende mit dem Handel von fossil-atomarem Strom schadet, nirgendwo erwünscht ist - auch nicht an der Autobahn, wie dies vom Neustädter Landrat Andreas Meier gewünscht wird.

    Bei Rückfragen stehen Josef Langgärtner von der „BI Neustadt/WN und Weiden gegen die Trasse“ oder ich Ihnen gerne zur Verfügung.


    Dörte Hamann

    Sprecherin Aktionsbündnis gegen die Süd-Ost-Trasse (ABSOT)
    Für eine dezentrale Energiewende ohne überdimensionierten Netzausbau!


    Josef Langgärtner

    Mitglied im Sprecherteam Aktionsbündnis gegen die Süd-Ost-Trasse



    Beteiligt euch am Protest am 11.09.19 vor der Halle!


    "Jetzt red i" kommt nach Neustadt/WN.

    Gäste auf dem Podium und auch bei der Demo ab 18.45 Uhr sind Hubert Aiwanger, bayerischer Wirtschaftsminister, und MdL Martin Hagen (FDP).


    Eine sehr gute Gelegenheit, um laut und deutlich zu zeigen, dass eine unnötige Trasse, die der Energiewende mit dem Handel von fossil-atomarem Strom schadet, nirgendwo erwünscht ist - auch nicht an der Autobahn.


    Wir fordern:

    Fakten statt Fake News zur besten Sendezeit!


    Wir sagen:

    Energiewende jetzt! Energiewende hier!

    Der Klimawandel wartet nicht!


    Wann: Ab 18.45 Uhr

    Wo: am Parkplatz vor der Stadthalle in Neustadt, Am Hofgarten 1, 92660 Neustadt an der Waldnaab




    Protestzeichen einfach gemacht: Zeigt der Bundesnetzagentur, was Ihr von den Netzausbau-Planungen haltet!


    Der Aufwand an der Konsultation teilzunehmen und einen Widerspruch einzulegen ist denkbar gering.


    Unter https://konsultation.stromautobahn.de haben wir erneut Textbausteine vorbereitet, die man beliebig anklicken und damit eine individuelle Einwendung per E-Mail zusammen stellen kann. Versehen mit den Absenderangaben geht eine E-Mail automatisch an die Bundesnetzagentur. Auch der Absender erhält eine Kopie.


    Offiziell sollen die Bürger an den Planungen der großen Stromnetze beteiligt werden. Inoffiziell ist es aber auch eine taktische Maßnahme, mit der die Bevölkerung über die langen Laufzeiten der Projekte ruhig gestellt werden kann. Wir wissen, dass unsere Stellungnahmen inhaltlich so gut wie nichts bewirken. Es sind keine ergebnisoffenen Dialoge. Trotzdem werden wir auch dieses Mal teilnehmen, denn es ist eine gute Möglichkeit zu zeigen, dass der Widerstand aktiv ist.

    Die Bundesnetzagentur hat zusammen mit den Übertragungsnetzbetreibern den 2. Entwurf des Netzentwicklungsplans 2030 - Version 2019 zur Konsultation veröffentlicht. Er enthält nach wie vor eine überdimensionierte Stromtrassenplanung, die gegen eine zügige Umsetzung der Energiewende gerichtet ist. Aber der Widerstand nimmt auch erkennbar zu. Die Jugendbewegung "fridays for future" versucht die Politik aufzuwecken. Unter "scientists for future" haben sich inzwischen über 25.000 Wissenschaftler aus dem deutschsprachigen Raum angeschlossen und es formieren sich immer mehr Bürgerinitiativen, die diese Willkür nicht akzeptieren.


    hier konsultieren



    copyright sfv / mester

    Energiewende und Klimaschutz voranbringen!

    Veranstaltung in Nürnberg formuliert dringende Forderungen an Politik und Gesellschaft


    Was können wir tun, um unsere Klimaziele zu erreichen? Eine Frage mit Gewicht, über die am 18. Juli 2019, zusammen mit kompetenten Referenten im Uhrenhaus der N-ERGIE Aktiengesellschaft in Nürnberg Sandreuth, diskutiert wurde.


    Bereits zum zweiten Mal haben sich sehr unterschiedliche Akteure zusammengefunden, um das Thema Energiewende und Klimaschutz in einer spannenden Veranstaltung zu beleuchten und zu diskutieren. Gemeinsam mit der N-ERGIE Aktiengesellschaft, dem BUND Naturschutz in Bayern und den Kommunen der Region lud das Aktionsbündnis gegen die Süd-Ost-Trasse zu einem informativen Abend ein. Die Vortragenden formulierten klare politische Botschaften und waren sich einig, dass eine massive Beschleunigung beim Klimaschutz notwendig ist.

    „Eine mutlose Klimaschutzpolitik hat Deutschland um Jahre zurückgeworfen. Nun ist es höchste Zeit für eine energiepolitische Kehrtwende, die alle Sektoren berücksichtigt und in sich konsistent ist. Ein solches Konzept umfasst einen verursachergerechten CO2-Preis mit Lenkungswirkung, den massiven Ausbau erneuerbarer Energien in Bayern und eine Wärmewende mit hocheffizienter Kraft-Wärme-Kopplung und Grüngasquote zur sukzessiven Dekarbonisierung des Gebäudesektors“, forderte Josef Hasler, Vorstandsvorsitzender der N-ERGIE Aktiengesellschaft.


    Hasler fand in seinem sehr persönlichen, beeindruckenden Vortrag klare Worte: „Ich verstehe die Lobby-Positionen, aber ich muss sie nicht akzeptieren!“, so sein scharfer Kommentar zu den derzeitigen Entwicklungen auf dem Energiemarkt. Das planlose Vorgehen des sogenannten Klimakabinetts bezeichnete er als „nicht sehr ermutigend“. Es sei nicht nur möglich, sondern sogar netzstabilisierend, 25 Prozent der Kohlekraft schnell vom Netz zu nehmen.

    Deutlich wurde: Da das genaue Vorgehen beim Kohleausstieg noch gar nicht verbindlich sei, kann es nicht sein, dass dieser schon in die Berechnungen für den Netzausbaubedarf eingeflossen ist – was im Gegensatz zu den Behauptungen der Bundesnetzagentur steht. Damit wollte sie auf dem Energiegipfel belegen, dass trotz des Kohleausstiegs Bedarf für den Südostlink und den Südlink bestehe.


    „Diese Trassen braucht kein Mensch!“, folgerte auch der Chef der N-ERGIE. Insgesamt seien keine ausreichenden Daten und transparenten Belege vorhanden, um feststellen zu können, wie der Zustand und die Auslastung der Netze tatsächlich sei. Demnach könne auch nicht ohne weiteres behauptet werden, dass die Juraleitung P53 alternativlos ist.


    „Eine bürgernahe und dezentrale Energiewende ist die wichtigste Maßnahme, um das Ziel des Pariser Klimaabkommens, die Erderwärmung auf maximal 1,5 Grad zu begrenzen, zu erreichen. Wir brauchen deshalb eine Vervierfachung der Photovoltaik und eine naturverträglich mögliche Verdopplung der Windkraftanlagen in Bayern, weshalb unter anderem die 10-H-Regel für Windenergieanlagen abgeschafft werden muss“, stellte Richard Mergner, Vorsitzender des BUND Naturschutz Bayern, bei seinem engagierten Vortrag in den Vordergrund. Er forderte daher von der bayerischen Landespolitik deutlich mehr Aktivitäten zur Energiewende und zum Klimaschutz.

    Klimaschutz, erneuerbare Energien, Netzausbau, Speicher, Elektromobilität... Die Vielzahl der Energiewende-Themen verwirrt. "Der Weg in eine erneuerbare Zukunft ist weniger kompliziert, als er in der öffentlichen Diskussion erscheint", stellte Daniel Bannasch, geschäftsführender Vorstand von MetropolSolar Rhein-Nekar e.V., klar. Damit jeder verstehen kann, worum es bei der Energiewende wirklich geht, hatte er alle wichtigen Informationen dazu auf einen Bierdeckel gepackt – ein Vortrag, der auch aufgrund seines innovativen Konzeptes in Darstellung und Inhalt überzeugte.


    Die zentrale Aussage auf dem „Bierdeckel“ ist: Wir können 100% erneuerbare Energien bis spätestens 2030 erreichen. Das gehe umso schneller, je weniger die Politik den Durchbruch echter Lösungen mit falschen Konzepten und Weichenstellungen aktiv behindere, davon ist Bannasch überzeugt. Photovoltaik (PV) lässt sich in einer unglaublichen Geschwindigkeit realisieren. Gerade auch auf lokaler und regionaler Ebene eröffnen sich bislang riesige, ungenutzte Möglichkeiten, Sonne zu „ernten“. Daniel Bannasch verwies dabei auf das Recht eines jeden Menschen, die Sonnenenergie frei zu nutzen – wer immer also die Möglichkeiten hat, sollte sich für einen Ausbau von PV einsetzen und dies auch persönlich nutzen. Die gesamte Energiewende entwickelt dann eine neue Dynamik, wenn man sich auf Photovoltaik konzentriert.


    Die zusammengefassten Folien der Referenten können Sie sich hier herunterladen.

    Der Der Flipchart-Vortrag „Energiewende auf dem Bierdeckel“ steht hier zur Verfügung.