Das Märchen von der Stromtrasse an der Autobahn

  • Das Märchen von der Stromtrasse an der Autobahn


    In einer Region am Südostlink hält sich weiterhin das hartnäckige Gerücht, es wäre eine Option, den Südostlink entlang der Autobahn zu verlegen. Ein paar Politiker im Norden von Abschnitt C nehmen damit eine Sonderstellung in der Diskussion um den Netzausbau ein. Als Beispiel wird immer wieder die Leitung ALEGrO von Deutschland nach Belgien herangezogen, mit der belegt werden soll, dass dies möglich sei. Die explodierenden Kosten des Netzausbaus, die jeden Stromkunden treffen, und die Schäden in der Natur werden bei dieser Diskussion vollkommen ignoriert.


    ALEGrO ist eine astreine Kohlestrom-Trasse und vor Ort gerade auch aus diesem Grund höchst umstritten (hier), dieses Merkmal hat die Leitung mit dem Südostlink gemeinsam. Die Erdkabel werden nur in kleinen Abschnitten "enger" entlang der Autobahn verlegt. Eine "Autobahntrasse" gibt es nicht. Die Transportkapazität von ALEGrO soll bei rund 1 Gigawatt liegen. Der Südostlink war von Beginn an auf 2 Gigawatt ausgelegt, es war aber schon seit mindestens Anfang 2017 immer die Rede davon, ihn mit Leerrohren auf 4 GW zu erhöhen. Die 4-GW-Variante war von Beginn an eine Option, und auch der Südlink ist mit 4 GW geplant. Das hatte nichts damit zu tun, ob die Wechselstromleitung P44/P44mod wegfällt oder nicht, wie jetzt plötzlich behauptet wird. Im Gegenteil: Die Wechselstrom-Leitung P44/P44mod wurde von Tennet bislang immer als n-1-Ausfallsicherheit bezeichnet - wenn der SOL ausfällt, ist die P44/P44mod der Ersatz.


    Politische Agenda: Zusammenhalt der Trassengegner schwächen


    Inzwischen wurde diese Argumentation einfach mal geändert, jetzt wird behauptet, die Erhöhung des Südostlink sei notwendig, wenn die P44/P44mod wegfalle. Damit wird gleichzeitig versucht, ein wenig Missgunst unter den Trassengegner zu schüren, deren bundesweiter Zusammenhalt der Anfang vom Ende des überdimensionierten Netzausbaus sein kann, nach dem Motto: "Ihr bekommt die breitere Trasse, weil die anderen es geschafft haben, gar keine zu bekommen."


    Eine Wechselstrom-Ersatztrasse wird zu einer Gleichstromtrasse im Korridor der Gleichstrom-Trasse, die sie ersetzen soll?! Erkennbar ist: Die Argumentation richtet sich nicht nach technischen Fakten, sondern nach einer politischen Agenda. Den Trassenbefürwortern steht das Wasser offensichtlich bis zum Hals. Wer sich anschauen will, mit welchem technischen Aufwand allein eine 1-GW-Erdkabeltrasse verbunden ist, siehe hier - im Randstreifen einer Autobahn verschwindet sie nicht.


    Presseberichte, die zeigen, wie aufwändig die Arbeiten für Alegro sind:


    Deutsch-belgische Stromtrasse - Der erste „Alegro“-Transformator erreicht Oberzier

    Ein 260-Tonnen-Riesentrafo auf der Reise

    Broschüre zum Bau von Alegro